Die Sierra Nevada de Santa Marta
Die Sierra Nevada vereint auf engem Raum nahezu alle Höhenstufen – von der Karibikküste bis zu schneebedeckten Gipfeln – und beherbergt eine aussergewöhnliche Vielfalt an Landschaften, Tier- und Pflanzenarten sowie Mineralien.
"Rund um die Sierra Nevada de Santa Marta und den Planeten
gibt es ein Netzwerk von miteinander verbundenen Energien.
Die Sierra Nevada de Santa Marta ist das Epizentrum,
in dem diese Energien entstehen. Deshalb sagen wir, dass
wir uns im Herzen der Welt befinden."
Calixto Suarez Villafañe, indígena Arhuaco de la Sierra Nevada
Nach dem Verständnis der Kogi und der Arhuaco steht jedes dieser Elemente mit seinem Gegenstück an anderen Orten der Erde in Verbindung: Seen mit Seen, Flüsse mit Flüssen, Berge mit Bergen, Höhlen mit Höhlen und jede Tierart mit ihrer Art. Deshalb betrachten sie die Sierra Nevada als einen Mikrokosmos, der den Zustand des gesamten Planeten widerspiegelt.
"Was einem Fluss geschieht, betrifft auch den Menschen.
Was der Erde geschieht, betrifft uns alle. "
Weisheit der indigenen Kogi
Für die Kogi und die Arhuaco schlägt in der Sierra Nevada das Herz der Erde. Wird dieses Herz verletzt, leidet nach ihrem Verständnis das Leben auf der ganzen Welt. Seit Jahrtausenden verstehen sie sich deshalb als Hüter dieses heiligen Ortes und tragen dazu bei, das Gleichgewicht der Mutter Erde zu bewahren. Doch dieses Herz ist schwer verletzt.
"Die Mamos verfügen über das Wissen und die energetische Weisheit,
um an diesen Punkten Harmonisierungsarbeiten durchzuführen,
mit dem Ziel, dass alle im Gleichgewicht mit der Erde und auch
mit dem Universum im Gleichgewicht sind. "
Calixto Suarez Villafañe, indígena Arhuaco de la Sierra Nevada
Mit der Ankunft der europäischen Eroberer und der fortschreitenden Erschliessung der Sierra Nevada wurden Wälder gerodet, Flüsse verändert, Bodenschätze ausgebeutet und heilige Orte entweiht. Aus Sicht der Kogi gefährdet dies nicht nur ihre Heimat, sondern das Gleichgewicht des gesamten Planeten.
«Stirbt das Herz der Erde, stirbt Mutter Erde und mit ihr alles Leben.»
Mama José María, indigener Kogi
In der Weltanschauung der Kogi ist jeder Berg, jeder Fluss, jeder Baum und jeder Stein ein lebendiges Wesen mit einer eigenen spirituellen Bedeutung. Alles ist miteinander verbunden und voneinander abhängig. Ihre gesellschaftliche Ordnung, ihre Gesetze und ihre täglichen Handlungen sind darauf ausgerichtet, dieses Gleichgewicht zu bewahren und im Einklang mit den Rhythmen der Natur zu leben.
Über Jahrhunderte der freiwilligen Abgeschiedenheit konnten die Kogi ein aussergewöhnlich tiefes Verständnis für die Zusammenhänge ihres Ökosystems bewahren. Vieles von dem, was sie seit Generationen wissen und leben, findet heute zunehmend auch in den Erkenntnissen der modernen Ökologie und Systemwissenschaften seinen Widerhall.
Autorin: Anita Weber / Juli 2027
Die Erde – Körper, Wesen oder Verwandte?
Die sichtbare Welt ist Ausdruck einer tieferen lebendigen Ordnung. Wer das Gleichgewicht dieser Beziehungen achtet, dient dem Leben.
Wenn wir von der Erde sprechen, denken wir oft an einen Planeten, einen Lebensraum, an eine Ressource oder einen lebendigen Organismus. Doch viele indigene Kulturen beschreiben die Erde auf andere Weise. Nicht als Objekt, sondern als Beziehung.
Nicht als Besitz, sondern als Verwandtschaft.
Nicht als Ressource, sondern als Teil einer grösseren Ordnung.
Ihre Perspektiven unterscheiden sich, aber in der Essenz sprechen sie von demselben – und gerade darin liegt ihre Kraft.
Kogi - Aluna
Was hält das Leben im Gleichgewicht?
Die sichtbare Welt ist Ausdruck einer tieferen Ordnung (Aluna), in der alles miteinander verbunden ist.
Einladung
In Dankbarkeit leben, frei von negativen Gedanken und Gefühlen.
Māori - Kaitiakitanga
Welche Verantwortung entsteht aus Zugehörigkeit?
Die Erde ist Teil unserer Ahnenverwandtschaft. Wer verwandt ist, übernimmt Verantwortung.
Einladung
Nicht besitzen, sondern hüten.
Yolngu - Country
Wer bin ich ohne mein Country?
Country ist Land, Meer, Geschichten, Ahnen, Tiere, Gesetze und Identität zugleich.
Einladung
Nicht irgendwo leben, sondern zu einem Ort gehören.
Q'ero - Pachamama
Wie bleibt das Leben im Fluss?
Pachamama ist die lebendige Wirklichkeit, die das Leben trägt. Durch Ayni – Gegenseitigkeit – antwortet der Mensch auf das, was er empfängt.
Einladung
Nicht nur nehmen, sondern Beziehungen nähren.
Diné/Navajo - Hózhó
Wie gehe ich durch diese Welt?
Hózhó beschreibt ein Leben in Harmonie mit Menschen, Erde und Kosmos.
Einladung
Die gewohnten Denkmuster verlassen und durch harmonisches Denken ersetzen.
Impulsfragen:
Wenn du fühlst, dass du nicht nur auf der Erde lebst, sondern Teil von ihr bist – wer bist du dann?
Wenn du die Erde nicht Besitz wahrnimmst, sondern als Mutter, die dich liebt - was verändert sich in dir?
Welche Verantwortung entsteht, wenn du diese Zugehörigkeit fühlen kannst?
Welche Beziehungen - abgesehen mit Menschen - pflegst du, die dein Leben tragen?
Was verändert sich, wenn du deine Aufmerksamkeit auf ein Leben in Harmonie richtest?