Die Kogi leben in einer Balance zwischen weiblicher und männlicher Energie. Das drückt sich unter anderem bei der Aufgabenteilung zwischen Mann und Frau aus. Ihre Aufgabenteilung durch den Filter unserer Kultur zu betrachten und an unseren Wertvorstellungen zu messen, würde dem tiefen Sinn, der dahintersteckt, nicht gerecht.
Legen wir den Filter beiseite, merken wir schnell, dass es sich nicht um eine Aufgabenteilung nach Geschlechtern handelt, sondern dass sie den Naturgesetzen folgt, welchen das Verweben weiblicher und männlicher Energien zugrunde liegt. Das, was die Männer und Frauen zusammen kreieren, ist wie ein unsichtbares Gewebe, welches die beiden Energien harmonisch miteinander verbindet. Das Leben selbst spiegelt sich in dieser Kunst des Miteinanders, welche tief in der Kultur der Kogi verwurzelt ist.
Ein wunderbares Beispiel für das Verweben dieser beiden Kräfte sind die heiligen Mochilas:
Die Männer ernten mit grosser Achtsamkeit die Blätter des Ficus-Baumes und lösen die Pflanzenfasern aus den grünen Blättern. Es ist eine körperlich anspruchsvolle Arbeit.
Die Magie des Verwebens von männlicher und weiblicher Energie beginnt, wenn die Frauen die Pflanzenfasern von den Männern entgegennehmen, reinigen, trocknen, färben, in Handarbeit daraus Fäden spinnen und mit den Fäden die wunderschönen Mochilas nähen.
Die Mochilas sind Symbole der Schöpfung, des Lebens, und des Zusammenhalts. Sie repräsentieren unter anderem die vielen Kreisläufe, welche in diesen Taschen verwoben sind: Geben und Empfangen, Arbeit und Ruhephase, Erschaffen und Loslassen und viele mehr.
Dieses immerwährende Miteinander und Füreinander auf physischer und spiritueller Ebene ist eine grosse Qualität, die die Kogi auszeichnet. Das Thema 'Männer- und Frauenarbeit', das sie in unserer Kultur oft diskutiert wird, erübrigt sich in ihrer Kultur, weil der Fokus auf dem harmonischen Verweben der beiden Energien liegt, die den jeweiligen Arbeitsabläufen innewohnt.